Mehr Allergien bei Haustieren durch Weizen im Futter?

Allergische Reaktionen können bei Tieren wie bei Menschen in unterschiedlicher Form und Ausprägung auftreten. Es scheint, als ob Allergien zunehmend auf dem Vormarsch sind, wobei dieser Trend jedoch nicht mit harten Zahlen zu belegen ist. Diskutiert werden die Ursachen: handelt es sich tatsächlich um eine echte Zunahme der allergischen Erkrankungen? Oder sind einfach die diagnostischen Möglichkeiten besser geworden? Und wenn es wirklich mehr Allergien gibt, was ist die Ursache? Fakt ist: bei Hunden und Katzen ist das Futter nur die dritthäufigste Allergieursache nach Flöhen und Umweltallergenen wie Hausstaub und Pollen.

Weizenähren in Sonnenlicht.

Allergien sind eine „übertriebene“ Reaktion des Immunsystems auf einen an sich harmlosen Reiz, also eine sehr individuelle Geschichte: Sie betreffen immer ein einzelnes Tier und sind nicht ansteckend. Was für den einen Allergiepatienten hochallergen wirkt, kann für den nächsten vollkommen unproblematisch sein. Sie müssen deswegen als innere Erkrankung des Tieres angesehen werden, nicht als schädliche Wirkung z.B. des Futters. Der Auslöser für eine allergische Reaktion auf Futtermittel ist bei Hunden und Katzen immer ein in der Nahrung enthaltenes Protein (Eiweiß). Weizen enthält das Protein Gluten. Deswegen kann auch Weizen zu einer allergischen Reaktion führen.

Hund liegt in gemähtem Weizenfeld.

Es gibt zwar Hinweise darauf, dass die allergischen Reaktionen auf Tiernahrung bei Hunden und Katzen in den letzten Jahren zugenommen haben, aber eine Erklärung oder „harte Zahlen“ dazu gibt es nicht. Es gilt nach wie vor: Eine echte Futtermittelallergie ist ein seltenes Ereignis. Während Gluten-Unverträglichkeit (Zöliaki, eine chronische Erkrankung des Dünndarms) bei Menschen relativ häufig auftritt (etwa einer von 300 Menschen ist betroffen), kommt diese Erkrankung bei Hunden und Katzen so gut wie nicht mehr vor, seit die genetisch bedingte Form beim Irish Setter getilgt werden konnte. Eine glutenfreie Ernährung von Hunden und Katzen ist daher weder notwendig noch sinnvoll, solange kein eindeutiger Allergie-Befund vorliegt.

Wie auch bei Menschen sind Allergien bei Haustieren höchst individuell und treten bei Hunden und Katzen nicht immer in gleicher Form und Ausprägung auf. Häufig kann daher nur eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Die einzige Möglichkeit, einen Nahrungsbestandteil sicher als Auslöser für eine allergische Reaktion zu identifizieren, ist eine Ausschlussdiät über mindestens 10-12 Wochen und die anschließende Provokation durch die Gabe des kritischen Futtermittels mit positivem Ergebnis (Wiederauftreten der Symptome).

Das sagt der Experte

Auslöser für Allergien gegen Tiernahrung sind fast immer in der Nahrung enthaltene Eiweiße (Proteine). Weizen enthält, genau wie Fleisch, Proteine, die für die Neubildung und den Erhalt der Körpersubstanz benötigt werden. Ob eine allergische Reaktion tatsächlich durch eine bestimmte Eiweißquelle hervorgerufen wird, kann nur durch eine Ausschlussdiät getestet werden.

Experte
Dr. Claudia Rade

Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik

https://www.was-braucht-mein-tier.de/getreide/weizen-allergie/